World of Warcraft-Sucht

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Mutter meiner Freundin ist offenbar WoW-abhängig. Sie selbst, sonst liebevolle Mutter, spielt stundenlang bis tief in die Nacht WoW, schläft in der Schulzeit der Kinder, vernachlässigt Haushalt und Körperpflege und reagiert auf Störungen beim Spiel ungehalten, sogar ihren Kindern gegenüber. Auf Appelle ihres Mannes oder meiner Freundin, das ganze zu unterlassen, hört sie nicht. Meine Freundin glaubt, sie könne da irgendwann alleine drauf kommen.
Was kann ich meiner Freundin raten? Account kündigen, Betreuung anregen,...?
Herzliche Grüße

Hallo,

um bei WOW halbwegs mitspielen zu können, muss man mindestens vier Stunden am Tag am Rechner sitzen. Es gibt kein Onlinespiel, das so zeitaufwendig ist. Unter anderem hat es deswegen auch ein ziemlich hohes Suchtpotenzial. Nun nützt es, wie Sie schon bemerkt haben, wenig, wenn man den Betroffenen darauf aufmerksam macht. Noch weniger erreicht man, wenn man demjenigen unterstellt, er hätte ein Problem damit. Das will niemand gesagt bekommen. Man kann ihm auch nicht einfach das Spiel wegnehmen. Stellen Sie sich vor, jemand ist im Olympiafieber, guckt stundenlang fern, vernachlässigt in der Zeit auch seine Freunde und seine Pflichten, und man würde ihm deswegen den Fernseher wegnehmen. Das klingt vielleicht für Sie weit her geholt und nicht vergleichbar, im Grunde ist es aber dasselbe. Das Problem bei Ihrer Freundin ist nur, dass die Familie und insbesondere sie und ihre Geschwister ein Recht auf Fürsorge und gute Betreuung haben und der Mann sich vielleicht auch wünschen könnte, dass er eine gepflegte Ehefrau gegenüber hat. Und das sind die Dinge, die angesprochen werden sollten. Keine Vorwürfe, keine Forderungen, sondern in einem ruhigen Gespräch erklären, dass man es schade findet, dass die Mutter/Frau nur noch so wenig Zeit für die Familie hat und das man lieber etwas mit ihr unternehmen wolle, statt allein.

Häufig verbringen WOW-Spieler so viel Zeit vor den Geräten, weil sie in den Gilden Dinge finden, die ihnen der Alltag nicht gibt. Das kann so etwas wie "wichtig-sein", "gebraucht-werden", "in einem Team wirken", "Erfolgserlebnisse-bekommen" etc. sein. " Dinge, die sie in ihrem realen Leben vielleicht so nicht erlebt. Hat sie Rückhalt und Bestätigung in ihrer Familie? 

Kurz gesagt: Es ist besser ihr etwas zu geben, nämlich das, was sie z.B. im Spiel findet (s.o.), als ihr etwas zu nehmen, nämlich das Spiel. 

Freundliche Grüße

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