Wie schaffe ich es alleine?

Ich heiße Sandra, bin 15 und komme aus Stuttgard.

....Leider bin ich nicht wahnsinnig gut im Schreiben und weiß auch nicht genau, wie ich anfangen soll...
Vor zwei Jahren habe ich angefangen zu hungern, den Grund kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich nennen, weil ich es nicht weiß...
Ich hab das auch nicht so extrem gemacht, dass es jemandem aufgefallen ist.
Vor etwa einem Jahr hatte ich nicht mehr die Möglichkeit meine eher geringe Menge zu essen, weil ich bei Verwandten war und mir zu viele Ausreden hätte ausdenken müssen. Also habe ich angefangen, mein Essen wieder zu erbrechen, weil es einfach unauffälliger war.

Irgendwann wurde das Ganze zur Routine und ist auch heute noch so. Eigentlich esse ich normal viel, zumindest nicht viel mehr oder weniger als andere, aber ich breche aus Gewohnheit mindestens einmal am Tag mein Essen aus.
Vor 2-3 Monaten habe ich versucht damit aufzuhören, habe aber wieder angefangen, aus Angst zuzunehmen und weil ich in dieser Zeit sehr mies gelaunt war, da ich bestimmte Sachen nicht essen wollte, weil ich sie normalerweise halt wieder erbreche und besonders wenn Schule ist brauch ich das Erbrechen quasi um Druck abzubauen.

So, meine Eltern haben davon bis jetzt noch gar nichts gemerkt, oder mich zumindest nicht drauf angesprochen, was eher komisch wäre, weil sie sich sonst eigentlich übermäßig um mich sorgen.
Ich weiß nicht genau, wie ich ihnen das erklären soll und habe Angst, dass sie doch sehr enttäuscht wären.
Meiner besten Freundin will ich das jetzt auch nicht zumuten, sie hat selber nicht grade wenig Probleme... und zur Schulpsychologin möchte ich auch nicht, sie ist meistens nicht wirklich hilfreich und machts eher noch schlimmer.

In den letzten Wochen habe ich ziemlich viel geweint und irgendwie versucht, diesen Druck (wo auch immer der eigentlich herkommt, selbst wenn ich nichts tun muss fühl ich oft überfordert) anders abzubauen, ich spiele zum Beispiel Gitarre und E-Bass und höre viel Musik, obwohl ich nicht mehr richtig Lust dazu habe.
Meine Noten werden momentan auch schlechter, weil mir das Erbrechen Zeit wegnimmt und ich das Gefühl habe, einfach nichts fertig zu kriegen, aber ohne werde ich aggressiv (ich bin sonst nie aggressiv...).
Ich weiß auch nicht, ob das, was ich mache, überhaupt eine richtige Essstörung ist, weil man bei Bulimie doch eigentlich Fressanfälle hat, was ja bei mir nicht so zutrifft.

Vor den letzten Ferien habe ich ein tolles Praktikum gemacht und versuche irgendwie diese Schulzeit (bin jetzt in der 9.Klasse) fertig zu bekommen um mal was hinzubekommen, was mir Spaß macht, habe aber auch wahnsinnig Angst davor, dass ichs gar nicht soweit schaffe, weil ich einfach nicht mehr lernen und oft nicht schlafen kann.

Und was genau ich nach der Schule überhaupt machen will, weiß ich nicht, ich fürchte mich davor, dass ich mit irgendeinem Abschluss dastehe ohne irgendeinen Plan für die nächsten paar Jahre, wobei ich jetzt ja einen Anhaltspunkt wegen dem Praktikum habe.

Oft habe ich das Gefühl, dass es sehr ungerecht überall zugeht und der Verlauf des ganzen Lebens ziemlich oft davon abhängt, ob man Glück hat, was man ja eher schwer beeinflussen kann.

Sehr viele Freunde habe ich nicht, außer eben meine beste Freundin und einige eigentlich eher Bekannte, mit denen ich mich halbwegs gut verstehe aber denen ich doch oft mal egal zu sein scheine.
Weils mir eben grade nicht sehr gut geht, versuche ich grade, mir ein anderes Umfeld zu suchen, was mir schwer fällt, weil ich doch sehr schüchtern und oft lieber alleine bin. Deshalb scheinen die Leute mich auch nicht so ganz zu bemerken...

Ich würde einfach gern ein halbwegs normales Leben führen ohne diese Essstörung, weil ich glaube, dass ich vielleicht den ganzen Rest auch wieder hinbekomme, aber weiß nicht, an wen ich mich da wenden soll, oder ob ich mir vielleicht selbst helfen kann.
Meine Eltern würden mich bestimmt unterstützen, aber ich hab einfach Angst, sie zu enttäuschen, weil meine Mom anscheinend stolz drauf ist, dass ich hochintelligent bin und man mit einer unglücklichen Tochter wahrscheinlich eher weniger Eindruck machen kann :-/

Habt ihr eine Idee, was ich machen kann?
Und was kann ich gegen Lustlosigkeit und diese Zukunftsängste machen?
Es kommt grad doch sehr viel zusammen und ich schaffs nicht mehr, mit allem zurecht zu kommen :(

 

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Hallo Sandra,

ich finde es toll von dir, dass du dich mit deinem Problem an eine Beratungsstelle und dann an uns gewendet hast.

Ich möchte versuchen dir so gut es geht zu helfen und dich dabei zu unterstützen mit der Essstörung fertig zu werden.

 

Momente in denen man eine gewisse Lustlosigkeit verspürt sind völlig normal. Irgendwann fehlt einfach die Motivation. Wichtig ist dann, dass du dir ein festes Ziel setzt was du im Auge behältst. Das Praktikum sollte für dich auf jeden Fall fest in Angriff genommen werden. Sei optimistisch und versuche an dich und deine Fähigkeiten zu glauben!

Sei davon überzeugt, dass du deinen Weg finden wirst und deine Ziele erreichst. Das gilt auch für deine Essstörung.

Dadurch, dass du dir eine Beratungsstelle gesucht hast, hast du großen Mut bewiesen und dich gedanklich gegen die Essstörung entschieden. Das ist ein wichtiger Punkt, damit du am Ende die Essstörung auch wirklich bekämpfen kannst.

Versuche dir nicht zu viele Gedanken über andere Sachen zu machen. Stell dich einfach selbst in deinen Mittelpunkt.

Ich weiß, dass es immer so einfach gesagt ist, aber es ist wichtig seine Kraft auch für sein eigenes Wohlbefinden zu nutzen und nicht nur für die Sorgen der Anderen.

 

Natürlich kann ich dich auch verstehen, dass du dich nicht so ganz traust deiner Mutter etwas davon zu erzählen. Wie ist denn euer Verhältnis zueinander?

Ich denke es wäre vllt gar nicht so schlecht, jemanden in deinem Umfeld zu haben, der dir auch dabei helfen kann deine Essstörung zu bekämpfen.

 

Hast du denn schon versucht deinen Drang dein Essen zu erbrechen durch andere Sachen auszugleichen? Wenn dich deine aktuellen Hobbies langweilen, wäre es vllt eine gute Möglichkeit etwas Neues auszuprobieren.

Vllt wäre es auch erstmal ein Anfang als Ausgleich regelmäßig laufen oder schwimmen zu gehen, wenn du dir das vorstellen könntest. Es ist eine gute Möglichkeit seinen Kopf frei zu bekommen und du tust gleichzeitig etwas Gutes für deinen Körper.

 

Wichtig ist einfach erst einmal, dass du dein Problem mit dem Essen bewältigst um dich dann auf die anderen Dinge völlig konzentrieren zu können. Auch wenn es im Moment nicht schön ist, wenn die Leistungen in der Schule nicht so gut sind, ist deine Gesundheit wichtiger. Das darfst du nicht vergessen!!

Ich würde mich freuen, wenn ich nochmal von dir lese und hoffe, dass ich dir helfen kann!

 

Liebe Grüße,

Anika

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